Samstag, 26. Mai 2012, 14:08:55 Uhr

28. August 2008, 00:30

Der Inferno Triathlon auf den Piz Gloria

Bärenstark und grossem Willen

Sie sind Frauen und Männer mit stählernen Muskeln. Austrainiert mit klarem, wachen Blick. Spitzenathleten, die alles daran setzen, heute zu gewinnen - zuerst auf dem 2790 Meter hohen Piz Gloria anzukommen. Dort oben, wo einst James Bond an der Seilbahngondel hing - unter ihm tiefer Abgrund. Ein Wahnsinnserlebnis wer mitmacht und noch ein grösseres wer oben auf dem Piz Gloria ankommt.

(mk) Es ist noch Dunkel, als im Thuner Strandbad sich über 500 Athleten mit den letzten Vorbereitungen auseinander setzen. Die Stimmung ist unheimlich, still aber voller Spannung. In wenigen Minuten werden sie hinaus schwimmen ins Dunkel des ruhigen aber tiefen Thunersees. Allein auf sich angestellt, allein mit den Gefahren die der See in sich trägt. In einer Geraden, werden sie hinüber schwimmen nach Oberhofen. Genau zum Schloss des kleinen Städtchens. 3,1km - eine lange Distanz so am frühen Morgen. Die Wasser Temperaturen sind angenehm und für Sicherheit ist ebenfalls gesorgt. Dutzende von Boote schwimmen ruhig links und rechts der langen Kolonne im Wasser. Dazwischen paddeln die Topathleten mit aller Kraft, um ja nicht schon in der ersten Rennstunde zu viel Distanz zur Spitze zu verlieren.

Ein Empfang wie bei einer Weltmeisterschaft

Dicht gedrängt stehen die vielen Zuschauer am Ausstieg beim Schloss Oberhofen um ihre Lieblinge anzufeuern. Ein fantastisches Spektakel mit fantastischen Sportlerinnen und Sportler. Das Feld ist aber bereits langgezogen und einige der schwimmenden Extremsportler schnaufen verdächtig nach Luft oder haben ihre Gesichtsfarbe in ein blasses blaurot verändert.

Wer hier bereits zu viel des Guten getan hat, wird nach der Wechselzone bereits zum erstenmal mit sich selber kämpfen und im Aufstieg nach Beatenberg hinauf seinen Start am Inferno verfluchen. Der Wechsel aufs Rennrad stellt bereits nach ein paar Minuten hohe Ansprüche an die Athleten.

Der Aufstieg zur grossen Scheidegg sprengt alle Grenzen

Der Aufstieg zur grossen Scheidegg sprengt alle Grenzen

Ausgangs Meiringen geht's dann gleich so richtig zur Sache. Steil hinauf in vielen Kehren und einer schmalen Strasse, vor allem nach Rosenlaui. Etwas weiter oben ist für den Verkehr stop. Von hier ist die Strasse schmal aber in gutem Zustand. Steigungsprozente von bis zu 20% sind an der Tages- bzw. Streckenordnung. Wer hier rauf will, der muss vollkommen sein. Die Berglandschaft zeigt sich hier in ihrer ganzen Wildheit, mit allem was dazu gehört. Felsen, saftige Alpwiesen, rauschende Bäche in einer wunderschönen, einsamen Gegend. Vielleicht ist es dass, was Athleten begeistert hier mit zu machen. Hier alles zu geben und bis zum Letzten zu gehen.

Eine verwegene Abfahrt und hinein in die Wechselzone von Grindelwald

Wer es dann endlich geschafft hat, oben auf über 2000 Meter anzukommen, der sticht mit tief über dem Lenker gebeugten Oberkörper in die Tiefe. Mit achtzig Sachen geht's hinunter. Eine wahrliche Kamekaze Abfahrt, die viel Steuerungsgeschick erfordert. Wer dann noch den Mut hat, mit den dünnen Reifen über die Kuhgitter zu springen, kann hier viel Zeit herausholen.

Mit dem Bike hinauf auf unwegsamen Gelände auf die kleine Scheidegg und hinunter nach Stechelberg

Aufs Bike wechseln und 30km im Höllenritt zurücklegen. Steil hinauf - steil hinunter. Wer das schafft, der hat jetzt einen grossen Teil der Strecke hinter sich. Stechelberg ist der Punkt, wo die Beine zum Zuge kommen. 25Km hat der Athlet und die Athletin noch vor sich. Von 850m hinauf auf 2790 m. Eine königliche Strecke. Einfach ein Krampf und eine Überwindung über sich und seinen inneren Schweinehund, der langsam Oberwasser bekommt. Teuflisch ist der Weg nach oben, besonders wenn das Wetter nicht so mitspielt. Nebel, Greupelschauer und Schneefall, dass alles hat der Läufer auf diesen Laufkilometern zu erwarten. Ein wahrliches Inferno.

Ein neuer Sieger - ein glücklicher Zweiter und ein Heiratswilliger!

Olaf Sabatschus heisst der neue Sieger - der neue Bond. Auf dem Piz Gloria kommt er im dichten Nebel angerannt. "Ich bin überglücklich!" meint Sabatusch. "Dabei hatte ich die falschen Übersetzungen für die 97 Rennkilometer über die grosse Scheidegg. Mit 44x21 als kleinsten Gang, musste ich mächtig in die Pedalen drücken, um überhaupt den Berg hoch zu kommen."

Der siebenmalige Sieger, Marc Pschebizin aus Wittlich Deutschland, war dennoch zufrieden. Ich mag es Olaf gönnen. Er ist ein Superathlet und gegen ihn zu verlieren ist keine Schande. Andreas Wolpert hingegen, war schon ein bisschen überrascht, dass er Dritter geworden war. So nahm er sich ein Herz und machte im Ziel seiner langjährigen Betreuerin, Freundin und Begleiterin einen Heiratsantrag.


Overall Männer
1. Sabatschus Olaf, 1965, D-Troisdorf 8:53.17,6 (7)
2. Pschebizin Marc, 1973, D-Wittlich 9:07.05,1 (1)
3. Wolpert Andreas, 1979, D-Ellwangen 9:16.18,0 (2)

Overall Frauen
1. Brenn Nina, 1979, Zürich 10:02.58,4 (11)
2. Huser Andrea, 1973, Aeschlen ob Gunten 10:49.48,6 (14)
3. Bracher Barbara, 1980, Thun 11:14.48,6 (22)

Gesamte Rangliste

Leserkommentare (0) »

 

Weitere Bilder:   [ 1 - 10 ]   [ 11 - 20 ]   [ 21 - 30 ]   [ 31 - 38 ]   [ 41 - 38 ]   [ 51 - 38 ]   [ 61 - 38 ]   [ 71 - 38 ]